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Unterwegs in der Natur der Voralpen und Alpen
Das Kleine im Grossen entdecken

Die GÄMSE - anpassungsstarker Kletterprofi


Die GÄMSEN zeichnen sich wie das Steinwild durch enorme Anpassungsfähigkeiten aus. Wie das Steinwild gehören auch sie zu den ziegenartigen Hornträgern.

DAS GEHÖRN
Bei den Gämsen haben Bock und Geiss Hörner, welche permanent wachsen. Die der Geissen sind leicht dünner und weniger stark gekrümmt wie jene der Böcke.
Dies ist eines der Unterscheidungsmerkmale der Geschlechter.

LEBENSRAUM/LEBENSWEISE
Ihr Lebensraum erstreckt sich über den ganzen Alpen- und Voralpenraum. Sie sind nicht eigentliche Hochgebirgstiere, sondern leben an der Waldgrenze - in alpinen Weiden, in Felsen wie auch in Bergwäldern und besitzen ausgezeichnete Kletterfähigkeiten.
Ihre Hufe sind speziell ausgestattet. Aussen haben sie harte Ränder und innen weiche, gummiartige Ballen. Damit können sie die kleinsten Felsvorsprünge nutzen.
Felsen spielen bei den Gämsen eine wichtige Rolle, denn sie sind Zufluchtsort und Ruheplatz.

Geissen und Jungtiere leben in Rudeln von 15 bis 30 Tieren. Im Sommer nimmt ein Tier die Wächterfunktion ein und warnt bei Gefahr mit einem Pfiff. Zum Winter hin lockert sich der Zusammenhalt des Rudels.
Die Böcke leben als Einzelgänger und begeben sich erst im Herbst zu einem Rudel.

BRUNFT/FORTPFLANZUNG
Brunftzeit: Dezember
Setztermin: Mai

Sind starke Böcke beim Rudel eingetroffen, werden wie bei Steinbock und Hirsch die Jungböcke vertrieben, um die Herrschaft über das Rudel zu bekommen. Dabei kommt es auch zu Kämpfen und erbitterten Verfolgungsjagden mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 50km/h.

Ende November/anfangs Dezember erfolgt dann die Paarung. Trächtige Geissen setzen sich vor der Geburt meist vom Rudel ab und ziehen sich an geschützte Stellen zurück. Nach der Geburt ihrer Kitze (in der Regel 1, selten 2) schliessen sie sich wieder dem Rudel an. Die Kitze folgen der Mutter bald nach der Geburt und werden noch ca. 3 Monate gesäugt.

WINTER
Im Herbst wechseln sie vom rotbraunen Sommerfell ins Winterfell. Dieses ist längerhaarig und dunkelbraun bis schwarz mit filziger Unterwolle, welche guten Kälteschutz gibt. Zudem nimmt die dunkle Farbe aus der Sonnenstrahlung besser Wärme auf.
Sommer- und Winterfell unterscheiden sich farblich wie auch in der Beschaffenheit - eine optimale Anpassung an die Jahreszeiten.
Im April/Mai findet jeweils der Fellwechsel in's Sommerfell statt.

Im Winter halten sie sich oft an den früh ausapernden Sonnenhängen bis in Talnähe auf.
Es ist wichtig, sie nicht zu erschrecken, bzw. zu stören und zur Flucht zu veranlassen. Der dazu nötige grosse Energieaufwand kann für das Tier zu dieser Jahreszeit verheerend sein. Im Gegensatz zum Steinbock ist für sie tiefer Schnee weniger ein Problem. Durch Sehnen sind die Hufschalen verbunden und wirken wie ein kleiner Schneeschuh. Zudem haben sie auch ein geringeres Gewicht.

Gämsen ernähren sich normalerweise von Kräutern, Trieben, Moosen und Flechten. Im Winter, wenn dies nur minimal vorhanden und schwer erreichbar ist, scharren sie oft den Schnee frei, um an etwas Nahrung zu gelangen.